Vom Ich zum Wir – von der Spaß- zurück zur Arbeitsgesellschaft – Horst Opaschowski
14. Januar 2011 | Von Karsten Heimberger | Kategorie: besondere Menschen, Politik & Gesellschaft
Horst W. Opaschowski ist renommierter Freizeit- und Zukunftsforscher, auf den ich jüngst wieder durch sein neuestes Buch Wir! Warum Ichlinge keine Zukunft mehr haben aufmerksam wurde und dann konnte ich in dieser Woche eines der von mir so gern gehörten Radio-Interviews auf Bayern 2 in Eins zu Eins – Der Talk verfolgen. Ich erwähne das hier in der Reihe Besondere Menschen, weil ich denke, dass dieser Mann ein solcher ist und es sich lohnt, sich z.B. das eben erwähnte Buch zu kaufen und/oder das Interview zu hören (siehe Ende des Artikels).
Horst Opaschowski ist ein fleißiger Wissenschaftler, der nicht nur regelmäßig ein Buch pro Jahr veröffentlicht (von ihm geschätzt), sondern zudem ein Thema hat, das am Anfang seiner wissentschaftlichen Laufbahn gar nicht existierte – die Freizeitforschung – und inzwischen (aber in diesem Zusammenhang) mehr und mehr zur Zukunftsforschung wird bzw. geworden ist.
Es ist noch nicht lange her, da wurde allerorts die kommende Spaß- und Freizeitgesellschaft ausgerufen – mal bedauert, mal begrüßt, mal auch bitter kommentiert. Wer sich damit beschäftigte, sah sich selbst und alle anderen bald in einer 3-Tage-Woche, den Rest der Zeit bemüht, sie sinnvoll zu füllen. Schon davor forderten die Gewerkschaften die 35-Stunden-Woche – bei vollem Lohnausgleich, versteht sich. Das waren fast kommunistische Ideale zur Entfaltung der Persönlichkeit (schönen Gruß an Frau Lötzsch von den Linken), die da in unserer Phantasie waberten.
Nun, inzwischen ist aus Spaß wieder Ernst geworden (passt zwar auch zu den Linken, hat aber mit dem Mann gleichen Namens nichts zu tun). Das mit der 3-Tage-Woche war so falsch gar nicht, nur dass man heute davon ausgehen muss, dass eine zweite 3-Tage-Woche in einem anderen Job dazu kommt – womit wir vom Aufwand her fast wieder in der späten Industrialisierung gelandet wären, als man Samstags noch wie selbstverständlich arbeiten ging. Freilich ändern sich die Dinge dann doch, denn Freizeit und Beruf vermischen sich immer stärker.
Prof. Opaschowski meint, auch in anderer Hinsicht könnten wir bald wieder in Verhältnisse aus dieser Zeit zurück kehren (müssen). Nämlich z.B., dass man die Nachbarn wieder mit Vornamen kennt, dass Familie und lebenslange Freunde wieder einen größeren Stellenwert erlangen, als das zwischenzeitlich in der ach so schnelllebigen, mobilen, modernen Zeit wichtig zu sein schien. Da freue ich mich ein wenig, dass ich diese Entwicklung auch schon längere Zeit wünsche und der Meinung war bzw. bin, dass es anders gar nicht gehen wird. Schön, wenn das jetzt von so prominenter Stelle bestätigt wird.
Die Themen und Thesen des Herrn Opaschowski werden mich sicher noch häufiger hier beschäftigen. Für heute: Lest, was er geschrieben hat oder hört, was er zu sagen hat!
Wie immer an dieser Stelle: Wenn der Player bei Euch aus irgendeinem Grund nicht funktionieren sollte, findet ihr die Gespräche von Eins zu Eins auf Bayern 2 auch, wenn Ihr auf den Link klickt. Das Gespräch führte Achim Bogdan am 5. Januar 2011.
Übrigens hat Prof. Opaschowski auch eine eigene Homepage. Hier der Link, für alle, die es interessiert.
