Thilo Sarrazin – Viel Wind, viel Nichts
30. August 2010 | Von Karsten Heimberger | Kategorie: Politik & Gesellschaft
Ich mag Thilo Sarrazin nicht besonders – auch wenn ich ihn gar nicht kenne. Mal wieder hat der “Meister” der Medienprovokation allen ein Leckerchen hingehalten und brav sind sie, wie dereinst dem Rattenfänger, gefolgt – Medien, Journalisten, Parteien und all die Anderen. Niemanden dient das mehr, als eben dem, dem die Empörung gilt, nämlich Thilo Sarrazin – und vielleicht seinem Verlag.
Fast bin ich versucht, den 450-Seiten-Wälzer zu lesen, denn bei genauerer Betrachtung haben sich sie Sarrazin-Aufreger meist als Sturm im Wasserglas entpuppt. Nur interessiert mich eigentlich viel zu wenig, was der “mahnende” Selbstdarsteller meint. Wer will schon lesen, dass die Deutschen aussterben. Das ist nun wirklich keine bahnbrechende Neuheit, genauso, wie dieses Einwanderer-Gedöhns, um das mehr Theater drum herum gemacht wird, als Inhalt drin ist. Sachlich und faktisch wird Herr Sarrazin gut recherchiert und dargestellt haben, daran zweifle ich nicht. Wozu ist man schließlich jahrelang deutscher Spitzenbeamter.
Nun will ihn die SED, äh… sorry, SPD ausschließen. Kennen wir doch. Wer Dinge ausspricht, die einer Organisation nicht passen, wird ausgeschlossen, statt sich mit ihm sachlich auseinander zu setzen. Ist auch viel einfacher…
Das ganze Theater ist genauso widerlich, wie die Art und Weise, mit der Herr Sarrazin sich immer wieder in die Medien katapultiert.
Viel schlimmer finde ich allerdings, dass es scheinbar nur 2 “Experten” in Sachen Integration von Einwanderern und deren Nachkommen gibt: Herrn Sarrazin und den Bürgermeister von Neukölln. Alle Anderen ducken sich weg, statt aktiv zu sein und zu gestalten. Gäbe es das nämlich in der Politik, würde sich für den Postillion vom Rhein, der zwischenzeitlich in Berlin zu hause war (oder ist? Egal!) niemand interessieren.
Viel besser wäre es doch, sich Sarrazin und seinen Thesen zu stellen, Fakten zu diskutieren, vielleicht gerade zu rücken und Fragen zuzulassen, sie zu beantworten oder nach Antworten zu suchen, statt mit der gleichen Ignoranz wegzuwischen, was einem da nicht passt.
Es gibt ein paar christliche Werte und ganz bestimmt Entsprechungen in anderen Religionen, die aufzeigen, wie man mit derartigen Äußerungen, Thesen und Schlussfolgerungen umgeht oder umgehen sollte. Und die heißen nicht Pranger.
Und die kostenlose Werbung für das Buch von Sarrazin geht weiter. Wer den ganzen Tag die Schlagzeilen beherrscht, dem sind Mega Verkaufszahlen sicher. Jetzt bleibt mal abzuwarten ob der Gabriel ihn aus der SPD wird und die Merkel aus der Bundesbank. Ich glaube, wenn das Thema in ein paar Tagen durchgekaut ist, verlauft sich das bis zum nächsten Buch von Sarrazin im Sande.