Sarrazin – Trittbrettfahrer, Impertinenz und Oberflächenplanscher

2. September 2010 | Von | Kategorie: Politik & Gesellschaft

Soweit, dass Thilo Sarrazin mir leid tut, geht es nun nicht. Aber es ist schon ungeheuerlich, mit wieviel Penetranz, Impertinenz und Oberflächlichkeit sich ganz bestimmte Leute jetzt in den Vordergrund drängen und versuchen auf der losgetretenen Sarrazin-Welle mit zu schwimmen.

Ich habe das Buch von Thilo Sarrazin nicht gelesen und ich werde es nicht lesen. Nicht, weil mit das Thema nicht interessiert, sondern weil Vieles, was so propagiert wird, lange und deutlich vor uns liegt. Dazu brauchte es an sich nicht Herrn Sarrazin. Und weil ich es nicht gelesen habe, kann ich auch nichts zur Methodik oder Ähnlichem sagen.

Wenn ich aber z.B. gestern abend bei “hart, aber fair” eine türkisch stämmige Journalistin sehe, die behauptet, selbst das Gegenbeispiel zu Sarrazins Statistiken über alle Einwanderer zu sein, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Respekt vor der Ausbildung, der Familie, der Karriere und der Leistung der Frau! Schön, dass es solche Beispiele gibt! Daran hat wohl nie jemand ernsthaft gezweifelt. Aber nur, weil xx Deutsche verurteilte Mörder sind, sind nicht alle Deutschen Mörder und auch “die Deutschen” neigen deshalb nicht zu solch Gräulichkeiten. Eine Fernseh-Journalisten sollte das wissen – aber mit behutsamen Betrachtungen wird man natürlich nicht in öffentlichkeitswirksame Fernsehsendungen eingeladen.

Oder mein ”Freund” Michel F.. Als der auf der Buchvorstellung von Sarrazin auftauchte, schwante mir schon, woher der Wind weht. Genüsslich hat er sein sonnengegerbtes Gesicht dann auch in jede Kamera gehalten. Wie immer. Da war es fast ein Glücksfall (für Michel F.), dass Sarrazin ausgerechnet Juden in einem Zeitungsinterview bestimmte genetische Gemeinsamkeiten zusprach. Reflexartig zucken (in Deutschland) alle zusammen, wenn man das Wort “Jude” auch nur in den Mund nimmt – und Sekunden später ist unvermeidlich Michel F. an jedem Punkt der Welt, als wenn er das Beamen aus einer Fernsehserie für sich entdeckt hätte.

Auch Sarrazins Genossen sind froh darum, dass sie ihr Gesicht endlich mal wieder auf die Flimmerscheibe heimischer Wohnzimmer “beamen” können. Freilich muss man dazu nur empört genug sein und möglichst absdruse Forderungen stellen. Wer da sagt: “Lasst uns gemeinsam darüber nachdenken, was wir verbessern können” hat natürlich wenig Chancen in die Sekunden der Fernsehberichterstattung zu gelangen.

Und so findet sich mancher, der dem Sarrazin-Zug hinterher hechelt und dabei, einmal aufgesprungen, mit allerlei Unsinnigkeiten um sich wirft. Oberflächlich bis zur Unkenntlichkeit.

Keiner bisher hat das zum Anlass genommen, selbst aktiv zu werden im Sinne neuer Vorschläge und Verbesserungen. Manchmal wird den Protagonisten selbst peinlich, was sie da so erzählen. Da werden dann “Probleme” bei der Migration zugestanden. “Selbstverständlich”! Nur bennen darf man sie nicht. Nur so allgemein als “Probleme”.

Das Konkreteste, was ich bisher dazu gehört habe, stammt von Sarrazin selbst – auch wenn Andere es rezitieren: Nämlich, dass etwa Kindergartenplätze für Migrantenkinder einen positiven Einfluss auf deren (deutsch-sozialisierte) (Bildungs-) Entwicklung hätten. Andererseits ist diese Erkenntnis nun auch nicht bahnbrechend.

Aha! Na dann stellen wir doch diese Kindergärtenplätze zur Verfügung! Das geschieht aber nicht bzw. nur sehr halbherzig. Die Zahlen dazu sind nämlich erschreckend. Ich glaube mich zu erinnern, dass beispielsweise in Bayern es nur für 10% aller Kleinkinder Kindergartenplätze gibt. Wo bitte sollen denn die fehlenden 50, 60 % herkommen? Rein physisch? Und erst die Betreuer? Da ist Geld ja fast das Kleinste aller Probleme. aber, selbst das ist ja nicht da bzw. ist genug Geld da, es wird nur eben für andere Sachen ausgegeben.

Und wenn es solche Erkenntnisse für nicht-deutsche Kinder in Deutschland gibt, könnte man das sicher auch auf die deutschen Kinder übertragen. Man kann also davon ausgehen, dass auch Kinder aus deutschem Elternhaus von einer solchen Einrichtung, wie Kindergärten, profitieren.

Da hätten doch alle genug zu tun – und müssten nicht in Fernsehsendungen herumsitzen und hektische Flecken bekommen.



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  • One Response to Sarrazin – Trittbrettfahrer, Impertinenz und Oberflächenplanscher

    1. ebook leser says:

      So ein Schritt weiter, die Bundesbank hat den Sarrazin entlassen, der Wulf wird ja nix dagegen einzuwenden haben. Jetzt ist der Gabriel am Zuge. Ich bin mal gespannt wie das bei der SPD jetzt vorangeht, denn der Gabriel hat sich ja am Wochende entsprechend geäussert.

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