Krieg, Atom, Armut – Was sie reden, was sie tun: Die Grünen – Buch von Jutta Ditfurth und die Suche nach mir selbst

Jutta Ditfurth - ihr aktuelles Buch über die Grünen
Jutta Ditfurth - ihr aktuelles Buch über die Grünen

Autsch… Jutta Ditfurth hat mich voll erwischt! Eigentlich hatte ich mir ihr neuestes Buch „Krieg, Atom, Armut – Was sie reden, was sie tun: Die Grünen“ gekauft, um mein bereits bestehendes Urteil über die angepassten, schlangenzüngigen Oberbejammerer von den Grünen bestätigen und mit Fakten untermauern zu lassen – und so, so ehrlich will ich sein, mein Ego etwas zu beweihräuchern, ob der eigenen Erkenntnis. Was den ersten und „offiziellen“ Teil meiner Motive angeht, ist meine Rechnung auch voll aufgegangen. Eine so konsequente, schonungslose, penible und mit Fakten angereicherte Abrechnung mit einer politischen Gruppe habe ich selten gelesen. Respekt, Frau Ditfurth!

Den zweiten Teil, den mit dem Ego, muss und will ich nun hinzufügen, denn lange ist es her, dass mich ein Buch so sehr auf mein politisches Ich zurückgeworfen und mich selbst und zwischenzeitlich eingenommene Postionen – samt des von mir an mir schon selbst beobachteten Schwankens dabei – in Frage gestellt hat. Dieses Buch wird mich wohl auch noch eine Weile beschäftigen!

Zu sehr bin ich hin- und hergerissen in Besinnung auf eigene und ewig bestehende Ideale, dem täglichen und tatsächlichen eigenen Urteil über politische Prozesse und Ereignisse, auf dem Weg hierher gefasste Meinungen und der Frage nach dem Wohin.

Diese Frage beschäftigt mich nun seit 25 Jahren – wenngleich mit unterschiedlicher Intensität. Zwischenzeitlich hatte ich ihr völlig entsagt, ohne politisch desinteressiert zu sein; nur langsam formten sich Überzeugungen neu oder traten alte wieder zu Tage – zugleich schwankend zwischen vor langer Zeit gefundenen Idealen und der Frage nach politischem Realismus und der, inwieweit man ihm folgen müsse und was das dann bedeute und wie dieser mit eben jenen Idealen in Übereinstimmung zu bringen sei.

Den Grünen war ich nie besonders zugetan. Mit der Diskussionskultur früher Tage konnte ich wenig anfangen, die ökologischen Fragen haben mich lange Zeit nicht so beschäftigt, wie dereinst die Grünen.

Als ich meinte, mich mit den Grünen näher beschäftigen zu müssen, erlebte ich diesen Prozess, den Jutta Ditfurth in ihrem Buch beschreibt – die Wandlung von einer engagierten Alternative zum Establishment mit Idealen hin zu einer machtversessenen, opportunistischen Partei mit Köpfen, die mehrheitlich und überwiegend auf den eigenen Vorteil bedacht sind und wirklich keine Gelegenheit auslassen, diesen zu suchen und dabei skrupellos eigene Überzeugungen (falls sie die je hatten), Land, Leute und Vaterland verraten.

Wenn die Grünen als Partei und ihre Köpfe etwas haben, dass sie zum eigenen Vorteil (z.B. Regierungsbeteiligung) verkaufen können, tun sie das! Dabei scheren sie sich wenig darum, was sie gestern vielleicht noch gedacht (wer weiß das schon), gesagt oder gefordert haben – Hauptsache das heute Gesagte sichert auch morgen die Pfründe!

Dabei wird nicht gekleckert, sondern geklotzt – die Wahrheit und die (vermeintlichen) Fakten, wie die eigene (geäußerte) Meinung, so lange verbogen, bis es passt. Und wenn morgen etwas anderes opportun ist, geht das Spiel von vorn los.

Das ist ein einträgliches Geschäft!

Wer daran zweifelt, sollte dieses Buch lesen!

Als tagespolitischen Beweis schaue man sich aktuell das hilflose Herumrudern in Sachen Atomkraft an. Das blanke Entsetzen muss die Parteizentralen landauf landab gepackt haben, als Merkel & Co. im Handstreich Atomkraftwerke stilllegten (wobei ich schon weiß, dass deren Motivation nicht nur das Wohl des Volkes ist) und damit (vorerst) konsequenter handelte, als ein Grüner in entsprechend verantwortlicher Position es je getan hat (und ihm in den Sinn gekommen wäre).

In diesem Zusammenhang interessant: Es ist sicher kein Zufall, wenn heute ehemalige grüne Spitzen erkleckliche Saläre als Berater und in sonstiger Funktion von z.B. Atomkraftwerkbetreibern kassieren. Auch dazu mehr und ausführlich im Buch!

Jutta Ditfurth schreibt in den einzelnen Kapiteln u.a. über die Januszköpfigkeit der Grünen bei Castor-Transporten und den Protesten dagegen, über das Lavieren der Grünen bei der Atomkraft , das Verhalten der Grünen bei Stuttgart 21 (stellvertretend für den Bürgerprotest) und ihre politische Ziele dabei, Grüne und Krieg und Menschenrechte und übergreifend besonders über die Grünen und die Macht, ihre politische Form der Äquilibristik,  Grüne und die Wirtschaft, Joschka Fischer und viele andere ehemalige und aktuelle grüne Köpfe und etliches aus der Geschichte der Grünen. Dies ist aber nur ein Ausriss aus der Vielfalt der Themen, die allesamt minutiös belegt sind mit Fakten und  Zitaten.

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