Eine typisch ostdeutsche Nach-DDR-Geschichte um eine Zeitung und die Menschen
15. Juli 2010 | Von Karsten Heimberger | Kategorie: besondere Menschen
Mal wieder eine meiner Jogging-Runden durch die Schönholzer Heide… Im s.g. “Teaser” des Hessischen Rundfunks ist davon die Rede, hier würde der Mann sprechen, der der SED in den wirren Monaten 1989/1990 eine Bezirkszeitung “geklaut” und daraus eine der erfolgreichsten Regionalzeitungen gemacht hätte. Die Rede ist von Sergej Lochthofen, der bei hr2 am Mikrofon bei Florian Schwinn saß, und der Thüringer Allgemeine, die heute wohl zu den erfolgreichsten Regionalzeitungen gehört.
Weiter steht dort, Sergej Lochthofen hätte damit Geschichte geschrieben. Und damit wird es dann endgültig schwammig, denn was dort passierte und was Sergej Lochthofen beschreibt, ist damals hundert-, wahrscheinlich tausendfach passiert. Nicht so, nicht mit einer Zeitung – so viele gab es ja nicht – damals, wie heute. Aber so in der Art, denn das ist eine ganz typische ostdeutsche Geschichte aus den Monaten, als aus dem Gebiet der DDR wieder ein Teil Deutschlands wurde.
Und weil das Interview auch aktuelle Bezüge hat, ist die Geschichte auch eine der Jahre danach bis heute, wo die damals geschaffenen Fakten langsam aus unserem Leben verschwinden und Manches korrigiert wird, was damals auf nicht “normalem” Weg installiert wurde.
Hintergrund ist, dass Sergej Lochthofen jetzt in einer für ihn etwas unklaren Situation als Chefredakteur dieser Zeitung abgelöst wurde – und mit ihm seine Frau, die ebenfalls in der Leitung der Zeitung gearbeitet hat.
Darüber beklagt er sich nach meinem Geschmack einen Deut zu oft – und vergisst, dass er in auch in unklarer Situation zu dem wurde, was er dann 20 Jahre lang war. Er vergisst auch, dass 20 Jahre vielleicht schon ein paar zu viele sind für den Chefredakteur einer Zeitung? Und außerdem, dass selbst bei bester Reputation der Beteiligten es nie gut ist, wenn ein Ehepaar in einem fremdgeführten Unternehmen arbeitet, noch dazu beide in der zentralen Führungebene? Da bleibt immer ein “Beigeschmack”, ob berechtigt oder nicht. In 20 Jahren wäre genug Zeit gewesen, dass ordentlich und vernünftig zu korrigieren, was das Ehepaar aber wohl nicht erkannt hat. Nun ist es doppelt bitter.
C’ est la vie – oder wie sagt der Franzose?
Trotzdem ist das Interview interessant und auch die Geschichten, die Florian Schwinn Sergej Lochthofen erzählen lässt. Entlocken muss er sie ihm nicht, denn der Interviewpartner hat ein Sendungsbedürfnis und -bewusstsein… Eine kurzweilige Joggingrunde.
Hier die Datei zum Download:
http://mp3.podcast.hr-online.de/mp3/podcast/hr2_doppelkopf/hr2_doppelkopf_20100611.mp3
Zwei Hinweise noch: Ich habe keinen Einfluss darauf, wie lange der Podcast bei hr 1 zur Verfügung steht! Alle Rechte liegen natürlich bei hr 2.
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