Der Gedankenleser von Jürgen Domian – eigene Gedanken Teil 2

27. August 2010 | Von | Kategorie: Buch der Woche
Der Gedankenleser - Jürgen Domian

Der Gedankenleser - Jürgen Domian

Gestern hab ich angefangen, von diesem Buch zu erzählen: “Der Gedankenleser” von Jürgen Domian. Und ich wollte weiter erzählen, ohne zuviel zu verraten, denn jeder soll doch sein eigenes Lese-Erlebnis haben. Hier übrigens Teil 1 zum Gedankenleser von gestern.

“Nun sitzen wir hier… und alles könnte perfekt sein. Aber er langweilt mich so. Immer die selben Gespräche, immer dieselben Meinungen. Wie öde. …Wahrscheinlich werden wir noch in dreißig Jahren hier so sitzen. Jeden Sommer Jahr für Jahr. Sonntag für Sonntag. Vielleicht werden wir gar nicht mehr miteinander reden. Weil alles gesagt ist. Wie schrecklich…. Ich langweile mich so. … Warum habe ich es so lange in dieser Ehe ausgehalten? Ich würde Arne gern zum Freund haben, aber nicht zum Mann.”

Klatsch! Das sitzt! Ohne Vorwarnung. Das ist es, was Du nach vielen Jahren glücklicher Ehe -mal mehr, mal weniger, wie das eben so ist im Leben- hören möchtest. Der Romanfigur bei Jürgen Domian wird das aber nicht ins Gesicht gesagt, sondern er kann die Gedanken seiner Mitmenschen, hier seiner Frau, hören. Eine Ehe, der auch er nicht kritiklos gegenüber steht, aber in der er von der tiefen und verständisvollen, gegenseitigen Liebe überzeugt ist, die diese Ehe trägt.

Und dann fängst Du selbst an, nachzudenken: Was haben Deine Partner über dich gedacht? Fast will ich mich für einen Moment glücklich schätzen, dass ich aktuell keine Partnerin habe, mit der ich das diskutieren kann. Denn natürlich würde ich sofort wissen wollen, wie es um unsere Beziehnung steht, was sie denkt und nicht ausspricht – und vielleicht wäre dieses Gespräch das Ende der Beziehung… oder der Anfang zu einem Glücklichsein auf einer ganz neuen, höheren, Ebene?

Auch versuchst Du Dich zu erinnern, was Du selbst gedacht und nie ausgesprochen hast? Kann mich nicht erinnern, dass ich Gedanken nicht ausgesprochen habe – vielleicht, ganz sicher, nicht immer sofort. Meine geheimsten Gedanken in meiner letzten Beziehung waren, dass ich geradezu davon überzeugt war, dass sie mich irgendwann verlässt. Das habe ich ihr dann aber gesagt, als mir die euphorischen Liebesschwüre diesen berühmten “touch to much” wurden. Ich hab ihr jedoch nie verraten, warum ich das meinte – hätte ich vielleicht tun sollen?

Wieviel Autonomie braucht der Mensch? Wo fängt die an? Ist es gut, dass man dem Anderen nicht immer alles sagt? Überhaupt: Muss man immer alles teilen oder darf es auch eine eigene Welt geben? Muss es das nicht sogar, damit man nicht in einer Art Erlebnis- oder Gedanken-”Inzucht” verkümmert? Oder ist genau diese Autonomie der berühmte Anfang vom Ende?

Wenn es heute die früher geltenden Regeln (gesellschaftlich) und Abhängigkeiten (auch wirtschaftlich) zwischen Partnern nicht mehr gibt, was tritt an deren Stelle? So eine Art “höheres Bewusstsein”?


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  • 2 Responses to Der Gedankenleser von Jürgen Domian – eigene Gedanken Teil 2

    1. becker says:

      Arne wundert sich und ist empört darüber wie andere über ihn denken. Er hält es nicht aus und verschwindet jedesmal wenn es sehr unangenehm wird. Warum setzt er sich gedanklich mit den anderen auseinander und nicht mal richtig mit sich selbst? Ist er vielleicht wirklich ein öder Langweiler? Gibt er den anderen zuwenig und fordert zuviel? Er selbst öffnet sich nicht, hat nur Angst vor der Wahrheit.
      Er ist mir viel zu selbstgerecht. In Wirklichkeit hat er nichts gelernt aus dieser “Gabe” sondern ist nur froh, als es dann endlich vorbei ist.
      Das Buch finde ich nicht gut

      • Hallo “becker”,

        vielen Dank für Deine Meinung. Du bist damit einem 3. Artikel zuvor gekommen, den ich noch schreiben wollte, denn ähnliche Kritikpunkte zum 2. Teil des Buches habe ich auch. Weil ich die beiden Artikel während des Lesens geschrieben hatte, wusste ich das zum Zeitpunkt des Schreibens natürlich noch nicht. Auch hatte ich dann (nachdem ich das Buch durch hatte) überlegt, wie ich das schreibe, ohne zuviel vorweg zu nehmen.

        Mir waren auch die folgenden Begegnungen zu einfach – irgendwie vorhersehbar und sehr typisch, für den Autor. Dennoch liest sich auch der 2. Teil des Buches locker weg.

        Ich weiß nicht, ob die Romanfigur etwas hätte lernen können. Deine Idee, dass er mehr über sich selbst hätte erfahren, sich hätte in Frage stellen können, ist eine mögliche Variante. Einfach weg und gut, war mir auch zu simpel – und dann noch so klischeehaft. Wobei ich selbst dabei das Gefühl hatte, dass jetzt einfach ein Ende her muss – und letztlich viele Fragen offen bleiben. Zum Beispiel, wozu das Ganze? Nur dafür, dass die Romanfigur Familie und Job verlässt?

        Ich hab das Buch trotzdem gern gelesen. Ist eben eine Geschichte, keine Weltliteratur. Aber diesen Anspruch hatte der Autor sicher nicht. Und ich nicht an ihn.

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